DR. VALENTIN SCHNEIDER

Historiker Zweiter Weltkrieg

LEBENSLAUF

Seit 2018

Gastforscher an der Nationalen Griechischen Forschungsstiftung, mit einem Projekt mit dem Titel "Datenbank der deutschen militärischen und paramilitärischen Einheiten in Griechenland 1941-1944/45", das zu 100 % vom Auswärtigen Amt der Bundesrepublik / Deutsche Botschaft Athen / Deutsch-Griechischer Zukunftsfonds finanziert wird.

2014-2016

Post-Doc-Forscher an der Nationalen und Kapodistrias-Universität Athen, mit einem Projekt zur deutschen Präsenz in Attika und im saronischen Golf zwischen 1941 und 1944.

 

2016

Promotion zum Doktor der politischen Wissenschaften, Universität Nottingham:

"A total reversal of the balance of power? German prisoners of war in Normandy, 1944-1948."

Diese Dissertation untersucht das Spannungsfeld zwischen dem nationalen Identitätsgefühl der Franzosen, das teilweise auch von dem Gedanken der Erbfeindschaft mit Deutschland getragen wurde, und den individuellen Beziehungen zwischen Franzosen und deutschen Kriegsgefangenen in der Normandie zwischen 1944 und 1948. Die Beschäftigung mit dieser Frage hat besondere Bedeutung, da in der Regel angenommen wird, dass sich die deutsch-französischen Beziehungen während des Zweiten Weltkriegs auf einem absoluten Tiefpunkt befanden, besonders in Regionen wie der Normandie, die zwischen 1940 und 1944 stark besetzt waren. Um die historischen Begebenheiten mit den Methoden der "Histoire croisée" untersuchen zu können, wurden Akten von Verwaltungsbehörden, militärischen Dienststellen und aus privaten Archiven sowohl in Deutschland als auch Frankreich ausgewertet, aber auch Quellenmaterial amerikanischer, britischer und schweizerischer Herkunft. Diese Studie zeigt auf, dass sich die Natur der individuellen deutsch-französischen Beziehungen im Spannungsfeld zwischen dem offiziellen französischen Diskurs einer „nationalen Wiedergeburt“ und der von der Zivilbevölkerung oft anders wahrgenommenen Realität bewegte. Während der Präsenz der Alliierten in der Normandie ab 1944 traten die Widersprüche offen zutage. Vor diesem Hintergrund prägte zunächst Gewalt die Beziehungen zwischen Franzosen und deutschen Kriegsgefangenen in alliiertem Gewahrsam. Aber als Diskurs und Realität anfingen, sich mehr und mehr zu überschneiden, vor allem nach dem Transfer der Kriegsgefangenen in französischen Gewahrsam, begannen sich die deutsch-französischen Beziehungen zu normalisieren. Diese rasche Entwicklung deutet auf den überwiegend symbolischen Charakter der propagierten „Feindschaft“ zwischen Franzosen und Deutschen, welche instrumentalisiert wurde, um in Zeiten der Bedrohung den nationalen Zusammenhalt zu stärken.

 

2013

Promotion zum Doktor der Geschichte, Universität Caen:

"La présence allemande en Normandie, 1940-1948. Approche croisée d’une cohabitation franco-allemande forcée."

 

Die Normandie erlebt zwischen Juni 1940 und Dezember 1948 eine massive Präsenz deutscher Soldaten. Nach der militärischen Niederlage Frankreichs im Juni 1940 wird die Region vier Jahre lang von zahlreichen deutschen Militäreinheiten besetzt, die zunächst eine Invasion Englands vorbereiten, dann die Küsten gegen eine alliierte Landung schützen sollen. Wenn auch die alliierte Landung am 6. Juni 1944 den Anfang vom Ende der deutschen Besatzung bedeutet, schafft sie jedoch gleichzeitig die Bedingungen für eine Verlängerung der deutschen Präsenz in der Region: Die deutschen Soldaten werden zu Kriegsgefangenen, die – zunächst in alliiertem Gewahrsam – als Arbeitskräfte für den Krieg gegen Deutschland eingesetzt werden. Nach ihrer Übergabe an die französischen Behörden – ab 1945 – werden sie auch in der Zivilwirtschaft eingesetzt. Obwohl die Kontakte zwischen Franzosen und Deutschen nie so umfangreich waren wie zur Zeit des Zweiten Weltkriegs, wird dieser in der Geschichtsforschung und in der öffentlichen Meinung bisher überwiegend als Höhepunkt eines im 19. Jahrhundert geborenen deutsch-französischen Antagonismus dargestellt. Im Rahmen einer gegenüberstellenden Analyse deutscher und französischer Quellen befasst sich diese Studie mit der Natur und der Entwicklung der Beziehungen zwischen Einheimischen und Fremden während dieses erzwungenen Zusammenlebens von mehr als acht Jahren. Die präzise Untersuchung der quantitativen und strukturellen Aspekte der deutschen Präsenz, die sowohl räumlich als auch zeitlich sehr heterogen ausgeprägt ist, vermisst die Kontaktzonen zwischen den beiden Gruppen, um den Unterschied zwischen, einerseits, der öffentlichen Meinung und den kollektiven Verhaltensweisen (in der Regel von Feindseligkeit gegenüber den Deutschen geprägt), und andererseits, den individuellen Handlungen gegenüber dem Anderen in der Privatsphäre (oftmals viel differenzierter strukturiert) herauszuarbeiten. 

Diese Forschungsarbeit wurde von der Region Basse-Normandie finanziert. 

2006

Master (Geschichte), Universität Caen.

1983

Geburt in Euskirchen (Nordrhein-Westfalen).